Schatten – wie Amrum mein Leben veränderte!

September 2011… endlich war der lang ersehnte Termin für meine Mutter/Kind Kur auf Amrum da.

Am Abend vor der Abreise legte ich die Maus früh ins Bett und sagte ihr, dass wir ganz früh in der Nacht aufstehen müssen weil das Taxi nach Köln um 05:00 Uhr kommt. Das fand sie natürlich ganz aufregend und freute sich darauf. Ich stellte mir meine Wecker im Intervall von 5 Minuten auf 3 Uhr morgens und ging ebenfalls ins Bett. Um 05:15 Uhr wurde ich durch Sturmklingeln an der Haustüre wach…..ach Du Scheisse…verpennt. Ich rannte in T-shirt und Unterhose die Treppe runter und öffnete dem sichtlich iritiertem Taxifahrer die Tür mit den Worten: Wir kommen sofort, da steht das Gepäck! In Windeseile zerrte ich das Kind aus dem Bett, stopfte sie in ihre Klamotten und sprang ebenfalls in die Klamotten. 10 Minuten später waren wir zur Abfahrt bereit. Der Taxifahrer hatte in der Zwischenzeit das Gepäck eingeladen und hielt uns die Türe zum Taxi auf.

Typisch Jenny! Erleichtert und mit der Bitte jegliche Verkehrsregeln zu mißachten schickte ich den Fahrer los. Lachend griff er auf die Rückbank und reichte mir einen dampfenden Kaffee und der Maus eine Flasche Saft sowie ein Brötchen aus der Bäckerei nebenan. Wow…was für eine tolle Geste….es wurde die lustigste und entspannteste Taxifahrt die ich je gemacht habe.

Pünktlich in Köln angekommen ging es nahtlos in den Bus. Meine Tochter steuerte zielstrebig die letzte Sitzreihe an. Ich erklärte ihr das wir diese doch lieber für eine Mama mit mehreren Kindern lassen sollten, als direkt hinter mir eine Stimme sagte: Wir sind zu dritt, dann passt es doch!

Perfekt, wir machten uns auf der letzten Bank breit. Die Kinder verstanden sich auf Anhieb und wir auch. Die Fahrt war trotz der vielen Stunden echt entspannt, die Kids hatten Spaß (zumindest unsere) und wir hatten offensichtlich den besten Platz erwischt.

Und dann ging es ab auf die Fähre. Zu diesem Zeitpunkt hatte man uns verschwiegen, dass auf der Fähre die Seelen unserer Kinder von Aliens ausgetauscht wurden. Es sollten nur noch die körperlichen Hüllen als harmlose Tarnung übrig bleiben…aber dazu später mehr.

An der Klinik angekommen bezogen wir unser Quartier. Da es mittlerweile Abend war verabredeten Tanja und ich uns zum Rauchen nachdem die Kinder eingeschlafen waren. Irgendwie schien es als würden wir uns schon immer kennen, der gleiche Humor, der gleiche Sarkasmus und gleiche Ansichten. In den ersten Tagen waren alle noch irgendwie gut gelaunt, obwohl das Wetter einfach nur aus Sturm und Regen bestand, das Essen eine Katastrophe, die meisten Mütter völlig bescheuert, die Klinik total beschissen und die ganze Insel so groß wie ein Fliegenschiss war. So langsam aber sicher reisten immer mehr Mütter ab, die Stimmung wurde grenzwertig schlecht, das Wetter noch beschissener. Bei allen Müttern war die Stimmung weit unter dem Nullpunkt und jede zickte sich in irgendeiner Form mit den anderen Müttern an.

Nur Tanja und ich, wir hatten unseren Spaß. Jeden abend kämpften wir uns durch Regen und Sturm zu der Raucherhütte und schauten uns das Spektakel zwischen den anderen Mamis an. Es reichte nur ein Blick zwischen uns beiden, und jeder von uns wusste was zu tun war. Im größten Sturm und den lautesten Wortgefechten fingen wir mit unserer Konversation an. Ich: Ach mensch, ich finde es könnte nochmal Salami geben ( die Auswahl beim Frühstück und Abendbrot bestand aus Salami und Fleischwurst), Tanja: Stimmt, gab es lange nicht mehr. Aber Sturm oder Regen ware auch toll.

Wir machten einfach das beste aus unserer Inselgefangenschaft und hatten Spaß. Unser Sarkasmus und unser schräger Humor liefen zur Höchstform auf und das Bild, dass die meisten von uns hatten sollte noch vollkommener werden.

Auf dieser beschissenen Insel gab es nichts was wir mit den Kids ausserhalb der Klinik bei diesem Dreckswetter machen konnten…. ausser einer Eisdiele. Die Eisdiele des Schreckens sollte Schauplatz werden für den Auftritt unserer 3 Aliens  Das Stück hiess: „Wir zeigen der Welt wie sehr unsere Mütter in unserer Erziehung versagt haben“

Die Freude war groß als wir den Kids sagten das wir zur Eisdiele gehen. Jubelnd und hüpfend (zumindest die Kinder) machten wir uns auf den Weg zur dorthin. Dort angekommen ergatterten die drei einen Tisch für uns. Jacken aus, hinsetzen und in die Karte gucken. Das war der Plan. Der älteste von Tanja griff zur Karte. Das war das geheime Zeichen für die anderen beiden die Show starten zu lassen. Erste Wortgefechte flogen über den Tisch. Jeder von den dreien wollte diese Karte. Tanja und ich gaben unser bestes zu beschwichtigen und die Kinder zu beruhigen. Als wir merkten das es mit dem reinen Appell an die Kinder, vernünftig und ruhig zu sein, aussichtslos war die Meute zu bändigen, gingen  wir nahtlos dazu über mit den dreien zu schimpfen. Zwischenzeitlich wurden wir auch schon ziemlich schräg von den anderen Gästen beobachtet. Was soll ich sagen, unser Schimpfen war das Signal für die Kinder jetzt erst so richtig Gas zu geben. Die Wortgefechte wurden lauter und das dramatische Ende war eine regelrechte Prügelei am Tisch. Es wurde geschlagen, gekratzt und getreten. Es war ganz großes Kino mit einem Riesen Publikum. Tanja und ich sahen die Blicke der anderen Gäste und wir konnten ihre Gedanken lesen. Die Aufforderung der Servicekraft doch bitte für Ruhe zu sorgen, ließ uns kurz gegenseitig in die Augen schauen, Wir haben so laut angefangen zu lachen, dass uns die Tränen nur so übers Gesicht strömten. Die Kinder waren weiterhin dabei sich zu zerfetzen und wir konnten nur noch Lachen. Das war uns echt zu blöd. Wir sind aufgestanden, haben den Kids gesagt das wir überhaupt gar keinen Bock auf so nen Scheiss haben und sind einfach raus gegangen. Sollen sie doch diese blöde Eisdiele auseinander nehmen, aber ohne uns. Eine Zigarettenlänge hatten wir Zeit bis sie zu uns raus kamen. Ob wir uns wieder beruhigt hätten haben Sie uns gefragt. Herrlich, was soll man dazu sagen?! Sie ntschuldigten sich und versprachen sich jetzt zu benehmen.

So war es dann auch. Es wurde noch ein schöner Nachmittag und am Tagesende lagen Sie friedlich  in ihren Betten.

Viele solcher Erlebnisse säumten den Weg unserer gemeinsamen Kur. Wir hassten Amrum aber zwischen Tanja und mir bahnte sich etwas großes an. Wir wurden unsere gegenseitigen Schatten.

September 2016

Mein lieber Schatten,

vor 5 Jahren war unsere Freundschaft ein ganz junges Pflänzchen. Wir haben es gehegt und gepflegt bis zum heutigen Tage. Ich bin so wahnsinnig dankbar das Ihr einen unauslöschlichen Platz in unserem Leben habt. Ich danke Dir für Deine Ehrlichkeit, Ich danke Dir für unzählige schöne Momente, ich danke Dir dafür, dass es Dich für mich gibt. Und nicht nur wir zwei, auch die Kinder sind sich so nahe. Meine liebe Tanja, ich liebe Dich wie nur Freundinnen sich lieben können. Du bist mein Schatten der es immer wieder schafft, mein Leben mit Sonne zu durchfluten.

Auf allen meinen Wegen nehme ich Dich mit mein Schatten…ich trage Dich in meinem Herz!

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1 Gedanke zu „Schatten – wie Amrum mein Leben veränderte!

  1. Meine Emotionen fahren Achterbahn wenn ich diese Zeilen lese.
    Ich habe Tränen in den Augen vor lachen… wenn ich an Amrum denke….
    -an unsere Aliens ( die Gott sei Dank auf der Heimreise wieder zu normalen Kindern wurden) die sie uns irgendwie untergejubelt haben;
    -an die völlig, mit uns, überforderten Mütter die in ihrem Lebtag noch nie etwas von Ironie und Wortwitz gehört haben;
    – unsere verzweifelten Versuche uns durch Regen und Sturm an den Strand zu kämpfen. Leider sind wir gescheitert! Ursache:3 brüllende Kinder, die Sand in den Augen hatten und einem Bollerwagen, beladen mit 3 brüllenden Kindern,der fast weggflogen wäre. ( Ich krümm mich vor lachen wenn ich an dieses Bild zurück denke)
    – das Gesicht der Frau als Du sie gefragt hast :“ Können Sie mir vielleicht sagen wo ich hier Salami kaufen kann?!“ ( Ich wäre damals fast in die Hecke gefallen vor lachen).
    oder auch unsere kräftezehrende Shoppingtour die auf Grund der Anzahl von Geschäften nach 10 Min beendet war…..
    Ach ich könnte endlos solche Situationen auflisten….
    Genauso aber auch Situationen in denen wir ganz ernst waren, Dinge besprochen haben die nicht so schön waren.
    Unsere Freundschaft ist etwas ganz besonderes
    ….wir stehen füreinander ein, verstehen uns oft ohne Worte, kümmern uns nicht darum was andere über uns denken, unsere Kinder sind uns heilig, können gnadenlos ehrlich zueinander sein, dürfen uns auch mal anzicken, können herrlich miteinander und auch über uns selbst lachen und lassen uns gegenseitig Luft zum atmen…..
    Du bist einfach ein wunderbarer Mensch und wenn ich Deine Zeilen lese, die Du mir gewidmet hast, dann bin ich so gerührt das ich weinen könnte- Du und Inka ihr seid ganz tief und ganz fest in meinem Herzen. Ich liebe euch und möchte euch nie mehr missen.

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