Cortijo El Sarmiento – Flamenco für die Seele

Es ist Mitte August und ich befinde mich im Landeanflug auf Almeria. Aus dem Fenster sehe ich, wie mich das Meer anfunkelt und in wenigen Augenblicken werde ich andalusischen Boden betreten.

Das Thema Urlaub ist ja grundsätzlich ein Thema welches durchaus das Potential hat den Urlaubsplanenden zu verwirren. Zumindest dann, wenn derjenige so gar nicht weiß was er will. Ich wusste genau was ich wollte… Sonne, Meer, Genuss, Entspannung, Wein, Leidenschaft und vor allem keine niveaulose Tourihochburg. Es sollte ein Urlaub nur für mich sein, ohne meine Tochter und auch ohne andere Kinder.

Wie praktisch, dass es da ein kleines Boutique Hotel gab dessen Besuch schon seit längerer Zeit ganz oben auf der Liste stand mit den Wünschen die ich mir erfüllen wollte. Die vergangenen Jahre waren voller Schmerz, Angst und Ungewissheit. Aber jetzt war ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen auf den ich stolz sein konnte. Die größten Trümmer hatte ich von meinem Schlachtfeld entfernt, mein Kampf zurück ins Leben war mir gelungen und meiner Tochter und mir ging es endlich wieder gut. Jetzt war es Zeit die Wunschliste abzuarbeiten.  Ganz oben stand: Yvonne und Carsten in ihrem Cortijo zu besuchen. Meine Freundschaft zu Yvonne war anders, man konnte eigentlich gar nicht von Freundschaft sprechen. Uns verbanden nur unangenehme Dinge und wir teilten keine schönen Erinnerungen. Als die beiden noch in Düren waren, habe ich um Yvonne gekämpft, gekämpft um die Chance sie davon zu überzeugen, das ich nicht die Frau bin, die sie kennelernte – in der schlimmsten Zeit meines Lebens. Vielleicht war es meine Hartnäckigkeit die sie dazu bewegte mich ein Stück weit in ihr Leben zu lassen. Und gerade als sie anfing mir zu vertrauen, war es Zeit Abschied zu nehmen.

Es war soweit, ich buchte mich im Cortijo El Sarmiento ein. Ich war so aufgeregt die beiden nach über einem Jahr ( indem bei uns allen viel passiert ist ) endlich wiederzusehen und noch gespannter war ich auf das was sie dort geschaffen hatten. Klar, ich habe fleißig alle Fotos und Beiträge auf Facebook verfolgt, aber das was ich im heißen Andalusien sehen sollte übertraf all meine Vorstellungen.

Carsten holte mich vom Flughafen in Almeria ab und nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir das Cortijo El Sarmiento in Mojácar. Um genau zu sein befindet sich das B&B direkt am Fuße der Sierra Cabrera und die Küstenstadt Mojácar erhebt sich in strahlendem weiß über dem glitzernden Mittelmeer. Noch völlig geflasht von den Eindrücken der Fahrt, der Wiedersehensfreude und der Tatsache das ich tatsächlich hier war, stieg ich aus dem Auto und versuchte das was sich meinen Augen bot zu sondieren und zu erfassen. Olivenbäume, Mangos die in der Sonne glänzten, Geranien und falscher rosa Pfeffer. Der warme Wind pustete mir mit einer Mischung aus Orangen, Feigen, verschiedenen Blütendüften und dem Duft von Sonne und Wasser, meine letzte Anspannung aus dem Gesicht.  Auf der linken Seite blickte ich auf eine „Allee“ aus Olivenbäumen und geradeaus auf die karge Sierra Cabrera und endlos scheinende Orangenfelder. Mitten heraus stach ein Pool der umrandet war von einer saftig grünen Wiese. Es sah aus wie ein flauschiger grüner Teppich und ich empfand es als extremen Kontrast zu der, in verschiedenen Erdtönen, strahlenden bergigen Umgebung. Dann sah ich Yvonne und ich stürmte ihr entgegen. Mein Gott hab ich mich gefreut sie zu sehen. Während der arme Carsten mein Gepäck schleppte, schlenderte Yvonne mit mir an einem liebevoll angelegten, kleinen Gärtchen mit unterschiedlichen Obstbäumen vorbei Richtung Pool. Im vorbei laufen sah ich ein Mango Bäumchen, an dem zwei toll gefärbte Mangos hingen. Ich liebe Mangos und ich zückte mein Handy und knipste wie blöd drauf los, fast so als hätte ich noch nie eine Mango gesehen. Obwohl es vom Parkplatz bis zur Lounge nur wenige Schritte waren, hatten mich diese paar Meter schon komplett umgehauen. Yvonne und ich gingen in die Lounge und ich bekam meinen ersten Tinto de Verano. Wir plauderten, saßen und lachten und es war fast so wie vor einem Jahr als die zwei noch in Düren waren. Nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied das die beiden viel entspannter waren. Carsten kam dazu und sorgte mit seiner Mischung aus norddeutschem trockenem Humor und andalusischem Feuer für jede Menge Lachsalven in der Runde. Die Lounge, gleichzeitig auch Frühstücksraum passte perfekt zudem bisher gesehenen Außengelände ein. Im vorderen Bereich wenige Tischgruppen mit Stühlen, dezent dekoriert mit den falschen rosa Pfefferbeeren die ich schon draußen bewundert habe. Die Lampen waren aus hölzernen Weinkisten gebaut, die ich noch aus Düren kannte und welche die Vergangenheit von Yvonne wiederspiegelten-. Bei genauerem Hinsehen gab es überall kleine Spuren aus Yvonnes Vergangenheit zu entdecken. Ihre Passion für Wein und auch ihre Passion für das Leben und den Genuss konnte sie nun wirklich nicht Geheimhalten. Im hinteren Bereich gab es ein gemütliches Sofa und einen offenen Kamin, umgeben von Büchern. Vom Sofa aus hatte man einen wunderbaren Blick auf die Terrasse mit angrenzendem Pool. Kleine Palmen zierten den Poolbereich und im Weitblick hatte ich wieder die Sierra vor Augen. Dieser Ausblick war einfach der Hammer. Die Lounge war klimatisiert und jederzeit zugänglich. Ebenso die Honesty Bar mit Kaltgetränken, Kaffee und diversen Weinen. Ganz unkompliziert trägt man in einer Liste ein woran man sich bedient hat. Morgens zaubern Yvonne und Carsten ein Frühstücksbuffet auf den Tisch, das sich mehr als sehen lassen kann. Frisch gepresster Saft, frisches Obst, Käse und Wurst von einer unglaublich guten Qualität und so vielen köstlichen Dingen die ich gar nicht alle aufzählen kann. Aber mein absoluter Frühstücksliebling ist…. Tostada. Es gibt ein paar (viele) Dinge in die ich mich dort kulinarisch verliebt habe und Tostada gehört definitiv dazu. So simpel und doch so lecker darf es für mich auch hier zu Hause beim Frühstück nicht fehlen. Allerdings muss ich zugeben, dass es bei 35 Grad Außentemperatur wesentlich besser schmeckt als bei 5 Grad Außentemperatur.

Das Rezept und viele andere findet ihr unter meiner Rubrik Yummy!

Doch zurück in die Lounge und zu meinem mittlerweile leerem Glas Tinto. Da Yvonne und Carsten im Gegensatz zu mir keinen Urlaub hatten, brachten sie mich zu meinem Zimmer. An bunt leuchtenden Paprika und köstlich duftenden Kräutern vorbei erreichten wir nach ein paar Stufen aus Terrakotta und typisch maurischen Fliesen,  eine Art Innenhof. Rechts stand ein großer Olivenbaum unter dem eine Sitzgruppe Schatten stand. In der Mitte stand ein großer Brunnen der leise vor sich hin plätscherte. Im Halbkreis um diesen Brunnen herum waren die Zimmer angeordnet. Kleine Bögen an denen sich Bougainvilleas hochschlängelten, umrandeten die umlaufende Veranda. Vor jedem Zimmer stand ein kleiner Holztisch mit zwei Stühlen. Yvonne ging mit mir zu dem Zimmer an dem in schnörkeliger Schrift “ albarino “ stand. Die Holztür öffnete sich und ich stand in einem Raum der nicht schöner hätte sein können. Ein großes, aus dunklem Holz gefertigtes Kingsize Bett mit den dazu passenden Kommoden und kleinen Lämpchen stand an der einen Wand. Die frischen weißen Laken und die unzähligen großen und kleinen Kissen aus verschiedenen Materialien, schienen zu flüstern: “ Komm her und sei einfach was, wer und wie Du sein möchtest“ Rechts neben dem Fenster mit den hellhölzernen Fensterläden, stand eine zum Bett passende Kommode mit einer rustikalen Vase und dezenter Dekoration. Neben der Kommode auf dem Boden stand ein großer, eiserner Kerzenleuchter der seine Kerzen in eisernen Blüten festhielt. Neben der Türe hingen drei gusseiserne, ornamentförmige Kleiderhaken mit weißem Porzellanknopf und an der letzten Wand stand ein großer Kleiderschrank. Eine Türe trennte das Bad vom Schlafraum. Auch das Bad war bis ins letzte Detail liebevoll gestaltet und mit allem was man braucht und mit allem was einen verwöhnt,  ausgestattet. Carsten kam mit einem großen Glas Tinto um die Ecke und damit ließen mich die beiden alleine. Yvonne musste in die Küche und Carsten wollte noch irgendwelche Poolareamanager Aufgaben erledigen. Ich schaute mir noch einmal alles genau an. Es war unglaublich perfekt. Die Laken hatten nicht eine Falte, alles passte farblich zusammen und das Zimmer war bis ins kleinste Detail auf seinen Namen “ albarino “ abgestimmt. Übrigens ist Albarino Spaniens uralte, weiße Rebsorte. Und da war es schon wieder, dieses Gefühl das an diesem paradiesischen Flecken Erde einfach alles perfekt ist. Alles passte zu allem, alles war in jeglicher Hinsicht einfach nur mehr als wunderschön. Das faszinierende an meinem bisherigen Gesamteindruck war, dass alles authentisch war. Und noch faszinierender war die Tatsache, dass es wirklich so war und ich es nicht nur so empfand weil ich Yvonne und Carsten kannte. Ich hatte das Gefühl das die beiden mit voller Hingabe ihr Cortijo für ihre Gäste herrichten, nicht damit sie sich eine goldene Nase verdienen, sondern damit der Gast sich zu Hause fühlt, ankommt und loslassen kann. Yvonne und Carsten erfüllen jeden unausgesprochenen Wunsch. Ich spürte wie meine Seele baumelte und gleichzeitig Feuer fing. Ein unbeschreibliches Gefühl machte sich schon nach wenigen Stunden in mir breit. Nachdem ich meinen Koffer ausgepackt hatte, ging ich nochmal eine ausgiebige Runde über das Anwesen. An den weißen Wänden saßen Gekkos und als ich um die Ecke bog, kam mir Motzi entgegen. Motzi war die Katze von Yvonne und Carsten und selbst sie passte mit ihrem weißen Fell und dem braunem Tigermuster perfekt in dieses Paradies. Ich ging ein paar Stufen runter und stand inmitten der am Anfang beschriebenen Allee aus Olivenbäumen. An den Wänden leuchteten prächtige Geranien – an dieser Stelle muss ich erwähnen das ich Geranien eigentlich hasse, aber hier gefallen sie mir und die kessen Bougainvilleas streckten überall ihre Blütenköpfe über die Mauern. Ich ging wieder an dem kleinen Gärtchen mit den vielen Obstbäumen vorbei. Da waren sie wieder, meine Mangos und ich war kurz versucht sie zu pflücken. Ich ging weiter und setzte mich auf eine Liege am Pool und ließ noch einmal alles auf mich einwirken. Ich spürte wie mein Herz stärker klopfte und mein Atem gleichzeitig ruhiger und entspannter wurde. Ich fühlte mich wie einer schillernd bunten Oase inmitten der heißen und trockenen Sierra. Diese Farbenpracht im Cortijo, das Strahlen der weißen Mauern, diese endlose Liebe zum Detail, die zuvor noch nie gesehene Sauberkeit in einem Hotel, die Düfte die mich verzauberten und diese sagenhafte Gastlichkeit sind nicht in Worte zu fassen. Mein Blut pulsierte und meine Seele tanzte.  Flamenco…Das ist es was das Cortijo beschreibt…. Flamenco für die Seele und alle Sinne.

Die Sierra Cabrera war die Gitarre, die ihre leidenschaftlichen und schmerzvollen Klänge in der untergehenden Sonne spielte und das Cortijo El Sarmiento war diese leidenschaftliche Flamencotänzerin, die sich mit ihrer überschäumenden Lebensfreude in meine Seele tanzte.

Aus der Ferne rief Yvonne mich zum Essen. Langsam kehrte ich aus meinem “ Angekommen sein “ zurück und freute mich darauf endlich mal wieder mit den beiden zu Abend zu Essen und den Abend mit reichlich Wein ausklingen zu lassen…und endlich damit anfangen zu können das Buch unserer Freundschaft mit schönen und unbelasteten Erinnerungen zu füllen.

Davon werde ich Euch in Kürze berichten und glaubt mir…es war mega lecker!

Bis dahin würde ich Euch vorschlagen, dass Ihr mal schaut wann noch etwas Luft in eurem Kalender ist und bucht ganz schnell Euren eigenen Seelenflamenco!

Den Weg dahin findet Ihr hier: http://www.el-sarmiento.com/

19.07.2017

Beim Streunern im Internet bin ich auf dem  Reiseblog von Hannah Dürr gelandet https://www.spirit-of-traveling.de/ Auf ihrem Blog ruft sie zu einer Blogparade zum Thema Happy Places auf. Es geht um Orte die uns glücklich machen, Orte die unsere Seele berühren. Gerne mache ich bei der Blogparade

https://www.spirit-of-traveling.de/blogparade-reisen-happy-places/

mit meinem Seelenflamenco mit.

1 Gedanke zu „Cortijo El Sarmiento – Flamenco für die Seele

  1. Hi Jenny – WOW. Das war wahrscheinlich der emotionalste Beitrag zur Blogparade, den ich bis jetzt gelesen habe. Es klingt so schön. Oh und übrigens: das mit den Mangos kann ich voll und ganz verstehen. Ich bin genauso ausgeflippt, als ich das erste mal einen Mangobaum in ‚freier Natur‘ gesehen hab! 😀
    Liebe Grüße, Hannah von Spirit-of-Traveling.de

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